Bitte hilf mir

BITTE HILF MIR! Vanessa, – so schreit es in mir!

Und wer bittet darum? – Ich sehe da niemand. – „Doch ich!“ – Nein, da ist Hilflosigkeit – und die ist wie der Geliebte herzlich Willkommen; ja, – sei zärtlich umarmt. – So ist es mit dem kleinen ich, denn ein Ichgedanke ist so gut wie stets hilflos. – Schön, wenn das gesehen wird, denn er kommt und geht im Geist, also im Kopf; und ist auf der Suche nach Dem, was ewig Ist.-

Hm, Okay. – Vielleicht ist bei dir eine Offenheit dies hier zu lesen. Es sind Worte des Hinweises, auch wenn mit einer Geschichte in ichform beschrieben:

Irgendwann wurde mir klar, als ich trocken, das heißt, ohne Alkohol auskam, aber noch nicht ganz nüchtern war; dass es in mir schrie: Ich will leben! – Doch ich weiß nicht wie? – Denn ich kannte nur den Kampf gegen das Leben; also nur Überleben. – Langsam dämmerte es: Ich war auf der Suche – nach Gott – ein Wort, was für mich heute – nur ein anderes Wort ist – für Leben, für Einheit. Ich hatte den Alkohol und Anderes als Suchmittel benutzt. –

Und dann eine Zeit lang, in dem Trockenrausch, wie ich das heute nenne, war ich wie beglückt, berauscht, trunken und blind im Helfen. „Ich“ wollte alle, die innen um Hilfe schrien – was ich nun spürte, helfen! Und für mich war das, aus heutiger Sicht – Größenwahn und nass im Kopf! – Also nass, betrunken im Kopf. – Doch hier ist nun der Hinweis: Nichts ist verkehrt; alles ist göttlich; alles ist das Eine, das sich so zeigt, das so spielt, in dem göttlichen Lebensspiel. –

Es schien mir erst wie eine Medizin zu sein, doch durch die Zwanghaftigkeit – mit Nebenwirkungen. Ich wollte die Machtlosigkeit des zwanghaft, helfenden Ichs, in seiner Hilflosigkeit, nicht sehen. Denn da, wo ich mich mit der „Helfenden“ identifizierte, erschienen erst einmal unbewusst, die Nebenwirkungen, wenn auch oft versteckt: Arroganz und Überheblichkeit, was zu Selbstgerechtigkeit mit einem Scheinheiligenschein und und… zur Verblendung führte. Bis in mir selbst alles um Hilfe schrie! –

Wie nahe ich dadurch am Glas war, machten mir AA Freunde, der Anonymen Alkoholiker, bewusst. – Da war große Dankbarkeit und Staunen, immer nur für Heute trocken bleiben zu dürfen. Doch ich sah auch den trotzigen Dickschädel, der dennoch schmerzlichst weiter machen wollte; – der hatte anscheinend die ersten drei Schritte im AA Programm vergessen! In denen es um Kapitulation, um eine größere Kraft, als das Ich, um den scheinbar eigenen Willen, der Sorge Gottes anzuvertrauen, ging. –

Und irgendwann war da Weinen vor Hilflosigkeit gegenüber der Machtlosigkeit des „zwanghaften Ichs“, das so von sich überzeugt war, alles allein zu schaffen, alles allein machen zu können. – Donnerwetter, stand da nicht irgendwo in den anderen Schritten, dass ich jetzt wieder eine Wahl hätte! – Doch anscheinend nur – mit Gott, und nicht „ich, ich ohne Gott“. – Hm, das Leben zeigte mir etwas ganz Neues: Nicht nur einmal ging es um Kapitulation, nein! – Wieder und wieder brachte mich das Leben dahin – stets aufs Neue zu kapitulieren. –

Dieses zwanghafte Ich fühlte sich als Versager, so dumm und unsagbar gedemütigt, so elend und hilflos dem Leben ausgeliefert – und sah nicht, die Schönheit darin – dem Leben ausgeliefert zu sein.

Und ich sprach mit mir selbst: Vanessa, sieh, jedes kleine Kind ist dem Leben ausgeliefert; – es ist machtlos, es ist hilflos – Und? – Lieben wir nicht genau deswegen die kleinen Kinder, weil sie einfach gegenwärtig – da sind – wie sie sind? Oh, ja! Doch das Ich war zwanghaft im Köpfchen beschäftigt – den Schmerz des Kampfes gegen die Leere, die sich mir auf tat – mit „Helfen“ zu füllen, denn ich lebte nun allein, nach 24 ziger Ehe und nun ohne Familie. Und Je mehr ich nachdachte, desto blinder schien ich zu werden. –

Doch was für eine Gnade, denn das konnte erstaunlicherweise gelesen werden, (ich weiß heute nicht mehr wo):

In Gedanken zu sein heißt – ohne Vertrauen zu sein. –
Nur nachzudenken heißt – Nichtsehen. –

Aha! – Hm, ja, das stimmte. Alles war immer wieder so was wie eine trübe Suppe oder wie eine dunkle Wolke im Kopf. Und es stieg tief in mir, in dem Nicht- Sehen, ein inniglicher Wunsch auf, wie ein Gebet:

Bitte, lass mich sehen!
Bitte, mach du – hier ist mein Kopf und meine Hände;
Übernehme meine Gedanken – mein Handeln,
übernehme meinen Körper und führe mich.
Bitte, lass mich sehen, lass mich erkennen;
und mit dem Herzen hören und verstehen;
was im Moment Ist, was ansteht oder nicht. –
Bitte, lass mich sehen. –

Und da war plötzlich Ergebenheit, die Bereitschaft „sich dem Leben auszuliefern“. Und dieses Gebet, fiel mal weg – und wurde doch wieder in meinem Herzen zu einem zärtlichen Gesang, der manchmal, weit weg, oder ganz nah, wieder und wieder aufstieg. – Das nennt man dann wohl Demut. – Ja. Heute nenne ich Demut ganz einfach: den Mut, niemand zu sein. – So wie jetzt: da ist Schreiben – und Staunen, was geschrieben wurde und geschrieben wird. –

Und eines Tages geschah folgendes: Im Gehen fiel mein Blick auf die andere Straßenseite, wo ein torkelnder Mann ging, sichtlich betrunken. Erstaunlicher Weise – stieg ein tiefes Mitgefühl in mir auf; eine so große Zärtlichkeit, die ihn umarmte; das war einfach nicht zu verstehen, doch es fühlte sich köstlich an; und ein Sehen, dass dies, gerade im Moment, nicht meine Angelegenheit war – ihm auf irgendeiner Weise zu helfen. – Von nun an begann ich, nein, es war die Bereitschaft da zu fragen, nicht was ich will, sondern, was das Leben – durch mich – will. –

Denn sieh – das Leben offenbarte sich selbst, als Vanessa absolut nichts erwartete:
Bei einem Freund las ich an einer Wand – nein, sie bat ihn, das, was an der Wand in englisch geschrieben stand, ihr zu übersetzen. Es schien ihr das wichtigste auf der ganzen Welt zu sein! Und er übersetzte es schriftlich. Und Vanessa las – und es floß in sie hinein, wie in ein stilles Ja, denn die Weisheit, die in jedem ist, sagte – ja:

„Sieh einfach nur die Wahrheit des Lebens, die IST, dass du nicht der Körper, nicht der Verstand bist. Sie sind, lediglich ein Spiel der Elemente. In dem Erkennen, ist eine außerordentliche Freude, und dennoch so still; eine sanfte Freude, ohne jeden Grund. Und das ist deine Natur.“

Da war es wieder: …Freude ohne Grund. So wie ein Kind, das verliebt ist in den Sand, in die Hände, die damit spielen, das einfach nur da IST. – Der Verstand kann das nicht begreifen, was auch nicht nötig ist. Hm – da war kein Erwachen, doch die Bitte verstärkte sich: Bitte lass mich sehen! Und das Leben führte Vanessa zum Satsang. Wo gehört wurde: Du bist Nichts … und der Bettler an der Ecke … Und seltsamer Weise, war dazu auch ein Ja. –