Ein Liebeslied an DAS, was du bist.
( In Ichform ) August 1999
>Der Tod< ist ein Wort für scheinbar >Etwas< - was es gar nicht gibt! - Es gibt nur DAS. -
Doch in dem göttlichem Lebensspiel scheint der Tod dazuzugehören, denn es ist so gut wie immer der Tod des Körper/Geistes gemeint....Doch so manches Ego täumt vom himmlischen Tod des Erwachens, doch sterben will es nicht... 
Denn - DAS - , was als >endgültig< erscheint, macht den Verstand total hilflos...das scheinbar >Endgültige< kann der Verstand nicht begreifen, nicht erfassen....er greift ins Leere ....
°
Und wie die Weisen sagen:
......Leere ist Form....und Form ist Leere.....
.....Stille ist Klang....und Klang ist Stille....
Es gibt nur Einheit....die als Zwei erscheint...
und ein anderes Wort für mich, für Einheit ist – Gott.
Alles, was scheinbar geschieht, ist ein Ausdruck Gottes.
......Leere und Fülle....ist Gott - als Leere und Fülle.
Nichts und Alles ist Gott.....Es gibt nur Gott....
....also nur Gottes- Willen.
°
Und jetzt eine Geschichte – über das Endgültige....Unfassbare....
von einer Mutter, die eines ihrer geliebten Kinder, <verliert<.
Auch wenn das Kind schon erwachsenen war, und doch - nur 39 Jahre wurde; - für eine <Mutter< ist das eine unfassbare Katarstrophe!
Doch es ist so erstaunlich - denn in der totalen Akzeptanz dessen und vom Platz der Stille aus, ist die Wahrnehmung eine andere,
als in der Verwicklung, in der Identifikation mit der Geschichte und den Rollen von <Mutter und Kind<.
Da ist Stille, Leere, in der Behutsamkeit erscheint….
und dann ein Lächeln.
Und da ist nichts <verloren< gegangen, denn da ist Niemand, also auch kein Besitz,der verloren gehen könnte.
°
Im Juni meldete sich Vera, Vanessa’s Tochter, per Telefon. (Sie wohnte z. d. Z. in Duisburg und Vanessa in Esslingen am Neckar bei Stuttgart)
Sie weinte. - Und ohne Vanessa zu berichten, was ist, sagte sie:
„Halte mich einfach nur im Arm, sonst nichts....“ - Und da war nur Stille und Zärtlichkeit, doch keine Fragen.
Es war zwischen „Mutter“ und „Tochter“ alles geklärt.
Und Vera genoss es, dass ihre „Mama“ keine Erwatungen an sie hatte.
-
Mitte Juli, als Vanessa dasaß und nähte, vernahm sie ein zartes Geräusch, das wie Weinen klang. Sie sah sich um und entdeckte in einer Zimmerecke eine große Fliege, die sich in einem Spinnennetz verfangen hatte und das Schlagen ihrer Flügel erzeugte dieses Weinen. Tief innen wusste sie, dass das eine Botschaft war.
Da war eine tiefe Berührtheit, die ohne wirkliche Worte wahrzunehmen war.
Was hier in Worte gekleidet ist, und so, in etwa – spürbar war:
<<Totale Verzweiflung ist wie die Fliege,
die sich im Spinnennetz der Gedanken verfängt,
in dem scheinbar das ich vom ich gefressen wird. <<
Doch da ist niemand, der etwas tun könnte, und auch niemand, der gerettet werden könnte. Es ist ein Geschehen – und es geschieht – niemandem. –
Vanessa’s „Schwester“ Christel rief an.
Doch sie redete wie die Katze um den heißen Brei und schnappte nach Luft, und verstummte immer wieder.
„Sag mal“ war die Frage an sie „gibt es kein direktes Wort dafür, was geschehen ist?“ – „Doch“ sagte sie leise. -
- „Vera ist tot“. –
Leere! - Stille, tiefe Stille und Frieden – und da war das Telefon in der warmen Hand, die Füße am Boden.
Kein Gedanke, kein Gefühl, und wenn es als Gefühl zu beschreiben ist, dann so, als ob die Stille – alles sanft umarmt und da ist Nichts.
Leere, die sich mit „Etwas“ zu füllen scheint:
ein unbeschreibliches Lächeln, das herzhaft lacht. –
Irre – das ist ein Paradox.
Und jetzt, Vera, während des Schreibens, steigt leise eine Erinnerung auf: Wie gern du dir von „deiner Ma“ Massagen hast geben lassen!
Ja, diese Massage -Rituale, die berührten Bewegungen, verliefen stets so still. - Es war Friede zwischen uns.
Danke, Vera, für dein Vertrauen. Danke.
°
*Eine wilde Lebendigkeit.*
Ja. - Geliebte Vera, so ist es, wenn das Herz vor Liebe wild überschäumend sprudelt- so warm, so prickelnd, so beschwingt.
Diese Hände können nichts anderes als das, was sie tun, jetzt tun. Genau betrachtet, es geschieht. –
Und das Fragen des Verstandes, wieso, warum, weshalb?
Diese Fragen sind wie ferne Wolken, die keine Kraft haben.
Da ist Stille, in der scheinbar weit weg leichte Wolken von Gedanken erscheinen.
Und die Hände spielen wie ein kleines Kind, dass dir ein feuriges Liebeslied schreibt.
Und nun lies selbst:
„Hallo Vera, da ist Staunen - denn Du wirst <nicht< vermisst,
denn Du bist - in Freude!
Doch ohne Dich hat die Existenz scheinbar eine Lücke.
Ohne Dich scheint dieses Universum etwas Schönes zu verlieren;
ein Lied scheint vermisst zu werden,
ein Ton scheint vermisst zu werden,
Doch – nein! - nicht wirklich;
und da ist - tiefe Leere.
Hey, hallo Vera!
Denn Stille ist jetzt Dein Lied,
und dieser Ton ist ein unbeschreiblicher Gesang in meinem Herzen,
und diese tiefe Leere, - Leere bist Du –
in der sich die Freude wie ein Tanz bewegt – und im Moment sehr wild.“
Und da wird staunend gesehen:
Alles was erscheint ist wie eine Explosion aus dem Nichts,
scheinbar hinein in die Einheit als „Etwas“; wie jetzt hier – Wildheit.
Alles was scheinbar geht, löst sich als „Etwas“ auf - im Nichts.
„Etwas“ scheint - <vorbei zu gehen<.
Das Leben sieht so aus, als bewege es sich rückwärts!
Alles geht zurück - woher es kam!
Leere, die sich bewegt, als „Etwas“, und im Moment:
wie ein wilder, leidenschaftlicher Tanzen im Sturm.
Stille, die klingt, als „Etwas“: – wie ein Gesang voller wilder Leidenschaft: „ich liebe dich – ich liebe dich“ – und,
was immer sanfter wird – sich in der Unendlichkeit schwimmend ausdehnt und in der Stille ruht, – und Stille <ist<.
°
Hallo geliebte Vera.
Am frühen Morgen der Beerdigung ging ich im Sonnenaufgang spazieren, um für dich, Vera, einen Blumenstrauß aus Feldblumen zu pflücken, weil du Feldblumen so liebtest, nicht wissend, wie ich diesen frisch halten sollte.
Die Vorstellung von einem Feldblumenstrauß in meinem Kopf fiel im selben Moment zusammen, wo ich an einem großen Rosenfeld vorbeigehen wollte, und dieses gesehen wurde.
Im Innehalten, staunend vor Entzücken, klatschte ich in die Hände:
Entlang der Rosenreihen lagen Hunderte oder Tausende von Rosenblüten, wahrscheinlich vom Gärtner beschnitten.
Herrliche kleine Röschen, etwa im Durchmesser von drei bis vier cm, in der Farbe von gelb bis orange und rot.
Und ich brauchte sie nur einzusammeln! Eine proppenvolle Tasche für dich Vera und für mich! hüpfte es in mir. Wie wunderbar!
Und es ist wie ein Wunder, was geschieht, wenn da Bereitschaft ist, die Vorstellungen fallen zu lassen. –
Und als ich dann hinter „deinem“ Sarg herging,
war mir, als tanze und singe es in mir,
als singe die Stille - Halleluja, und ganz zart Ave Maria. -
Es lässt sich nicht wirklich beschreiben. Meine Hände griffen in den Karton von Rosenblüten und ließen sie auf den Weg fallen.
Als Silvia, deine Schwester, mich nach der Beerdigung fragte, wieso ich das tat, konnte ich ihr nur sagen:
Ich weiß es nicht. Wozu auch, meine Hände taten es in dem Moment, sie dienten dem Moment, sonst nichts, da war kein Gedanke.
Hm – Vera, es muss auch nicht verstanden werden. -
°
*Süße, die in der Tiefe von Trauer verborgen ist.*
Und dann - einmal, während eines Einkaufes in Esslingen, stieg ein Gefühl von tiefer Trauer auf.
Oh ja, auch Trauer ist ein Gefühl, das im Grunde niemandem gehört,
es wird wahrgenommen und möchte sein.
Manchmal habe ich Trauer mit Selbstmitleid verwechselt.
Und da ist niemand, der eine Wahl hat.
Im Selbstmitleid benutzt das „ich bin jemand“ Trauer für eine Leidensgeschichte, um in der dramatischen Geschichte zu baden oder um - wieder und wieder um die Trauer herum zu gehen, und dann erschöpft zu sagen:
Jetzt habe ich genug getrauert…
So wurde die Tiefe der Trauer vermieden, was auch ein Geschehen ist, im göttlichen Spiel.
Ja. Und das Gegenstück von Trauer ist die Energie der Freude. denn so wie Freude eine hohe, tanzende Energie hat, so hat Trauer - Tiefe.
Und was ich hier beschreibe, mit so vielen Worten, ist eigentlich ein Geschehen, in mir ohne Worte.
Es wird gesehen und hier mit Worten beschrieben:
Da ist Stille - in der ein Gefühl von Trauer erscheint.
Ohne Geschichte, so tief und still.
Es war wie ein Ruhen in der Trauer, in der, wie es schien ein immer tieferes Sinken wahrzunehmen war.
Leere und tiefer Friede begleiteten die Bewegungen meiner Hände, meiner Füße.
Und ohne nachzudenken, was wohl noch zu besorgen sei, besorgte „Ich“ alles, oder es ist eher so, dass Es alles besorgte. Alles, sogar mehr, auch das, was ich vergessen hatte aufzuschreiben, wie ich zuhause lächelnd feststellte.
Die Stille vertiefte sich in mir mehr und mehr.
Und unerwartet stieg in mir eine S ü ß e auf.
Für den Verstand ist es unfassbar!
Eine Süße, die alles Süße, was ich je gegessen hatte, übertraf.
Und da war staunend und lächelnd zu sehen:
wie eine gebündelte Energie von einer unbeschreiblichen Süße, die sich in der Unendlichkeit ausdehnend auflöste. –
Und da steigen Gedanken auf, (denn für den Verstand ist es unfassbar):
Ist es diese Süße, dieser Nektar, wonach wir uns alle eigentlich sehnen, wenn da ein Hunger nach der Süße des Lebens ist?
Eine Süße, die z. B. in der Tiefe des Gefühles von Trauer verborgen ist. - Oh, Vera - zu begreifen ist es nicht wirklich.
<Es ist ein Geschenk, was in der Tiefe von Trauer verborgen ist.<
Das Leben ist in seiner Lebendigkeit immer wieder ein Wunder.
Es lädt ein zum Staunen.
So wie beim Bummeln in der Stadt, dann Tage später.
Es wurde mein Körper schwer wie Blei. So schwer, dass ich stehen bleiben musste.
Ich lachte, denn da war eine ganz starke Wahrnehmung,
dass „du Vera“ neben mir bist und ich fragte dich: „He, was ist?“ –
Oh, es ist wieder nicht zu begreifen, denn ohne Worte vernahm ich von dir: „Schau auf den Boden nach rechts.“ –
Und da lag ein Stück Papier.
(Ausgerissen aus dem Etikett einer Flasche Mineralwasser, wie ich später erkannte.)
Und ich sah in dem Moment nur den Namen <Vera<, der auf dem Papierfetzen stand - und lachte, lachte - lachte.
Man, was für ein Wunder.
Eine wohlige Dankbarkeit machte sich in mir breit. -
*Alles ist erfüllt von dir*
Oh ja, Vera - als ich dann in den ersten Tagen nach der Beerdigung wegen der Klärung des Nachlasses unterwegs war,
ohne das da leiden war, sagte mir die Beamtin voller Mitleid: „Herzliches Beileid“. Und da war kuz so etwas wie ein Kippen –
ein Kippen in das: „meine“ Tochter.
Es ist das Identifizieren mit der Rolle „Mutter“,
und sofort ist da Leid!
Doch bei dem Erkennen der scheinbaren Trennung der Einheit:
der Identifikation - war es wie ein sofortiges Umkehren –
in - Nachhausegehen –
und dann - ein Erfüllt- Sein von Freude und tiefer Dankbarkeit.
„Danke“, sagte ich zwar mit ernstem Gesicht, denn wie konnte ich dieser Beamtin sagen, dass hier das Lachen in unendlicher Freude ist.
Und als ich auf der Straße war, konnte ich nicht anderes, als voller Freude lachen, lachen, lachen.
Es war, wie eine Explosion von Lachen.
Es hätte nicht viel gefehlt und ich wäre tanzend durch die Stadt gelaufen. Doch das Gehen war beschwingt und voller Lebendigkeit, erfüllt und überlaufend von Dankbarkeit............Oh, Vera, ich liebe dich! - Du bist überall – alles ist erfüllt von dir.
°
Und dann ist klar zu sehen:
Mag jede Erfahrung noch so berührend sein,
und deren Einsicht klar und wunderschön,
doch w e r hat sie erfahren? denn da ist niemand!
Doch das „es ist <meine< Erfahrung“ in dem Traum von Trennung, hat eine Qualität, die, die Trennung verstärkt, und das sich getrennt fühlende „Ich“, das stolz davon überzeugt ist, dass die Erfahrung ihm gehört, gibt so vor - etwas Besonderes zu sein – und so scheint es weniger die Trennung zu spüren. – Man nennt es auch <Überheblichkeit<, die sich über den Schmerz der scheinbaren Trennung hinweg hebt.
So ein Witz! Denn es gibt nur Einheit.
Somit ist jede Erfahrung - Niemandes Erfahrung - Jede!