Bitte hilf mir!

 

Vanessa, ich bin so hilflos. - In mir schreit es:
Bitte hilf mir!“

Danke, dass du dich traust – mir das mitzuteilen. -
Doch irgendwann war hier so etwas wie ein Aufgeben – anderen überhaupt helfen zu können. -
Wenn gesehen wird, dass im Gegenüber – zwar eine Gestalt sitzt – die behauptet ein Jemand zu sein – jedoch ein Ausdruck der Vollkommenheit ist, ist hier immer wieder Staunen. -

Ja - da ist Hilflosigkeit – und die ist herzlich Willkommen. Oh ja. - Das Ich ist von Natur aus hilflos, obwohl es vorgibt alles allein zu können. - Deshalb ist es wunderschön, wenn gesehen wird, das da Hilflosigkeit ist – auch wenn das Ich die Hilflosigkeit sofort vereinnahmt.

Ja - sei zärtlich umarmt - so ist es mit dem kleinen ich. - Denn ein Ichgedanke ist so gut wie stets hilflos. -
°
Hm, Okay. - Vielleicht ist bei dir eine Offenheit dies hier zu hören/lesen. Es sind Worte des Hinweises, vielleicht für dich eine „Hilfe“, auch wenn mit einer Geschichte in Ichform beschrieben:

Irgendwann wurde mir klar, als mein Kopf wie benebelt war, dass es in mir schrie: Ich will leben! - Doch ich weiß nicht wie? - Denn ich kannte nur den Kampf - gegen - das Leben; also nur Überleben. - Langsam dämmerte es: Ich war auf der Suche - nach Gott - ein Wort, dass mir große Schwierigkeiten bereitete, denn Gott war mir zu weit weg. Doch in der Bibel steht ja auch: Gott ist das Leben. Und damit atmete es in mir auf, denn das Leben und die Lebendigkeit des Lebens ist ja überall – nicht einmal getrennt von mir. -

Und Helfen war bei mir so etwas, wie die Leere ausfüllen, die dem Ich Angst machte. - Es schien mir erst wie eine Medizin zu sein, doch durch die Zwanghaftigkeit – auch mit Nebenwirkungen.

Ich
wollte die Machtlosigkeit des zwanghaft, helfenden Ichs, in seiner Hilflosigkeit, nicht sehen. Denn da, wo ich mich mit derHelfendenidentifizierte, erschienen erst einmal unbewusst, die Nebenwirkungen, wenn auch oft versteckt: Arroganz und Überheblichkeit, was zu Selbstgerechtigkeit mit einem Scheinheiligenschein und und... zur Verblendung führte. Bis in mir selbst alles um Hilfe schrie! -

Doch ich sah auch den
trotzigen Dickschädel, der dennoch schmerzlichst weiter machen wollte. Das Ich, kämpfte um den scheinbar eigenen Willen, und wollte nichts der Sorge Gottes, dem Leben anvertrauen. -

Und irgendwann war da Weinen vor Hilflosigkeit gegenüber der Machtlosigkeit des „zwanghaften Ichs“, das so von sich überzeugt war, alles allein zu schaffen, alles allein machen zu können. - Donnerwetter,
hatte ich nicht gelesen, eine Wahl zu haben? - Doch anscheinend nur - mit dem Leben/Gott, und nicht „ich, ich ohne das Leben/Gott“. - Hm, das Leben zeigte mir etwas ganz Neues: Nicht nur einmal ging es um Kapitulation, nein! - Wieder und wieder brachte „mich“ das Leben dahin – stets aufs Neue zu kapitulieren. -

Dieses zwanghafte Ich fühlte sich als Versager, so dumm und unsagbar gedemütigt, so elend und hilflos dem Leben ausgeliefert – vor allem - in dem Zusammenziehen von Gestern, Heute und Morgen - und sah nicht, die Schönheit darin - dem Leben ausgeliefert zu sein; - denn es wurde diese Einfachheit, das Wunder des Lebens nicht gesehen: „Was unmittelbar – Ist. -

Und
es sprach mit mir selbst: Vanessa, sieh, jedes kleine Kind ist dem Leben ausgeliefert; - es ist machtlos, es ist hilflos – Und? - Lieben wir nicht genau deswegen die kleinen Kinder, weil sie einfach gegenwärtig - da sind - wie sie sind – ohne ein Jemand zu sein? Oh, ja! Doch das Ich war zwanghaft im Köpfchen beschäftigt - den Schmerz des Kampfes gegen die Leere, die sich mir auf tat - mit „Helfen“ zu füllen, denn ich lebte nun allein, nach 24 jähriger Ehe und nun ohne Familie. Und Je mehr ich nachdachte, desto blinder schien ich zu werden. -

Doch was für eine Gnade, denn das konnte erstaunlicherweise gelesen werden, (ich weiß
heute nicht mehr wo):

In Gedanken zu sein heißt - ohne Vertrauen zu sein. -
Nur nachzudenken heißt – Nicht sehen - was ist! -

Aha! - Hm, ja, das stimmte. Alles war immer wieder so was wie eine trübe Suppe oder wie
mit einer dunklen Wolke im Kopf verwickelt. Und es stieg tief in mir, in dem Nicht-Sehen, ein inniglicher Wunsch auf, wie ein Gebet an das Leben:

Bitte, lass mich sehen!
Bitte, mach du – hier ist mein Kopf und meine Hände;
      Übernehme meine Gedanken - mein Handeln,
      übernehme meinen Körper und führe mich.
      Bitte, lass mich sehen, lass mich erkennen;
      und mit dem Herzen hören und verstehen;
      was im Moment Ist, was ansteht oder nicht. –
      Bitte, lass mich sehen. -

Und da war plötzlich Ergebenheit, die Bereitschaft
sich dem Leben auszuliefern“. Und dieses Gebet, fiel mal weg - und wurde doch wieder in meinem Herzen zu einem zärtlichen Gesang, der manchmal, weit weg, oder ganz nah, wieder und wieder aufstieg. - Das nennt man dann wohl Demut. – Ja. Heute nenne ich Demut ganz einfach: den Mut, niemand zu sein. - So wie jetzt: da ist Schreiben – und Staunen, die Freude, die schreibt. -


 

 Wenn du magst, siehe auch: Wieso der Geliebte - Der Urschmerz - Ohne Geschichte

 

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