Das Leben verstehen

Vanessa, ich finde das Leben oft so beschissen; - ich verstehe das Leben nicht!“

 Hm? Das Leben lässt sich nicht verstehen, jedoch fühlen, spüren, denn das Leben lebt sich in dem "was Ist" unmittelbar; es ist ein Wunder. - Und hier ist Mitgefühl, denn auch Vanessa wollte das Leben verstehen.: 

 Doch das ganze Bemühen des Verstehens ließ mich immer wieder an die Grenzen stoßen. Doch wessen Grenzen? - Natürlich – meine! ...meinte ich. Wer wollte unbedingt verstehen? - Natürlich wollte – ich - verstehen!

Ich wollte das Leben – verstehen; im erste Moment dachte ich nicht daran – damit ich es unter Kontrolle habe; doch im zweiten Moment wollte ich immer, dann, wenn ich das Leben verstehe, auch das Beste daraus – machen; - ohne zu wissen, was wirklich das Beste ist – doch ich meinte zu wissen, was das Beste ist. Ich glaubte tatsächlich mächtiger zu sein – als das Leben! - Ich glaubte, dass ich das Leben leben sollte, kann und müsste, vor allem im Griff haben. -

Das das eine Art – Größenwahn war, wurde in Indien erkannt. - Denn dort geschah es plötzlich, dass sehr deutlich gesehen wurde, wie schnell bei mir - ein Denken – vom Größenwahn in den Niedrigwahn fiel; und da war Staunen; - ein scheinbares Wissen von Macht im Kopf, - und bei einer Enttäuschung – Resignation, Selbstmitleid, Depressionen. -

 Denn je mehr ich meinte, dass ich es jetzt heraus habe, jetzt verstehe, was das Beste ist, desto mehr irrte ich mich – und war enttäuscht – natürlich - vom Leben!

 Bis so eine Ahnung aufstieg, dass jede Enttäuschung genau besehen – eine Täuschung war! - Ich hatte mich also wieder und wieder getäuscht. Und da stiegen Zweifel auf – war das die falsche Richtung? - Hatte ich mich verrannt? - in dem Glauben, doch das Beste nicht nur zu wollen, sondern auch zu wissen! ? -

 Überall hörte ich, dass das Leben ein Kampf sei. – War das wirklich so? Überall hörte ich, dass es ums Überleben ging. - War das wirklich so? -

 Irgendwie war mir die Freude am Kämpfen vergangen, denn das Kämpfen hatte mir Spaß gemacht. - Nun fragte ich mich verzweifelt – was ist denn wirklich leben, einfach nur leben – ohne ständig um das Überleben zu kämpfen und es besser und besser – machen zu wollen? -

 In einem Seminar fragte man mich, warum ich da bin, und was ich wirklich wollte? - Und aus mir heraus schrie es plötzlich: Ich will leben – endlich – leben! -

Man! Ich war über diesen Schrei nach – leben, einfach nur leben – selbst überrascht. -

Dann war da die Frage: Was ist das – einfach nur leben? - Denn ich hatte doch gelernt, wie man – überlebt... mit so großer Anstrengung. Doch irgendwie wurde mir gezeigt, dass da etwas nicht ganz stimmte, was man mir gesagt hatte, was ich allen geglaubt hatte. -

 Nun begriff ich, oder man sagt auch: es fiel mir wie Schuppen von den Augen, dass ich ja ständig gegen das Leben!, - so wie es ist - , gekämpft hatte! – Und war sprachlos. -

Dann geschah es: Da war plötzlich im Aufstehen – alles Still – kein Gedanke – nur absolut – still! -

 Nun war da immer wieder ein Verlieben, ein Verliebt-Sein in die Wände, die Tische, die Straßen... in scheinbar meiner Hände Arbeit, in die Früchte, die gegessen wurden usw.… zu verstehen war das nicht! Und bei mir war auch die Bereitschaft – es nicht verstehen zu müssen! - Hier war ein Lachen, denn „das Leben - verstehen zu wollen“, war weg, es war seltener Weise – weg. -

Ich kann nicht einmal sagen, dass - „das Leben verstehen wollen“ – falsch war, denn da ist niemand, der in dem Lebensspiel eine Wahl hat – alles ist die Quelle, das Eine, die Lebendigkeit des Lebens selbst.

 Nun ist einfach ein Verliebt-Sein in das Leben geschehen, denn – gemacht hatte ich – nichts! - Und das Leben – lebt – nicht einmal „mich“; - es lebt sich selbst – auch durch diesen, scheinbar „meinen“ Körper. -

 

 

 

 

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