Gedichte

 

Die Süße der Poesie ist die Sehnsucht nach Gott, nach Einheit.

Sechs Gedichte, beim Aufräumen wieder entdeckt; sie sind menschlich gesehen, einfach berührend schön, denn sie sind Liebesgedichte, der Poesie des Lebens.

 Worte aus dem Gesang der Sehnsucht des Herzens (1984 – 1987)

In einer Liebes-Affäre – der Wunsch, den scheinbar Anderen – begreifen, verstehen zu können:

In mir lichtet sich langsam der Nebel

In mir ist so viel Liebe – in mir ist manchmal Wut – in mir ist so viel Sehnsucht - in mir ist so viel Glut.
Ich bin jetzt allein – doch in mir bin ich es nicht – manchmal bin ich ganz klein – manchmal nur - Licht.

Etwas in mir, das leuchtet – etwas in mir, das lacht – etwas in mir, dass nicht mehr leugnet – etwas in mir, hätte das nie gedacht. - Ich gehe durch die Wälder, offen – mit klarem Blick – streifen meine Augen Felder – kehren zu mir zurück.

Sehnsucht in meinem Herzen macht mich innen so weit. Tränen, die in mir schmerzen, doch Vorsicht, denn Selbstmitleid entzweit. - Etwas in mir ist traurig – etwas in mir ist schön. Etwas in mir ist lustig – so kann ich weitere Schritte geh'n. -

Manchmal bin ich wie ein Vogel – fliege über Felder und See'n, fühle mich frei in den Lüften – was ist das Leben doch schön!

In mir ist so viel Liebe – in mir ist so viel Saat. Möchte sie so gern aussähen, weil es so viel in mir hat. Gehe ich wie ein Sähmann – über Felder dahin – streue weit meinen Samen – denn da ist so viel Leben drin.

In mir flossen so viele Tränen. Oh, Himmel, was soll das sein? - Die Tränen regneten auf die Erde  – und lassen nun die Samen aufgehen – und gedeih'n. -
Ach, das Leben ist einfach herrlich! - bin ich mit mir im Frieden und satt. - In mir ist soviel Liebe – gut, dass es so viel hat.

 

Ein kleiner Wirbelwind.

Oh, schau! - Hast du gesehn? Was war das nur?

Raschelnd rollt ein Blatt davon. – Und dann?

Kann es sein? – Schau, da ist es wieder. Ich geh näher ran.

Aus der Pfütze hinterlässt es eine Spur. -
 Ich trau meinen Augen kaum, was ist darin - so klein?

Oh ja! Das muss es wohl sein – ein kleiner Wirbelwind, was mehr.

Er schaut gar lustig unterm Blatt hervor, und winkt mir zu.

Doch das Blatt rollt weiter,

und ich laufe hinterher,

dabei stolpre ich über einen alten Schuh. -

Jetzt lacht es aus dem Blatt ganz heiter.

Oh, ganz außer Atem, ich es schon aufheben will,

da! Endlich an einem Baum hält es ein – liegt still. -

Vorsichtig nehme ich es in meine Hand, doch das Blatt ist leer.

Ich habe mich wohl geirrt, es verkannt. -

Enttäuscht beginne ich das Blatt zu zerreiben.

Doch da seh’ ich aus einem anderen Blatt den Wirbelwind schau’n.

Und er beginnt mit mir das gleiche Spiel zu treiben.

Ich sehe es mit großen Augen, die dem kaum trau’n,

und ruf ihm nach: „So warte doch, so bleib doch steh’n!

Lass doch einmal mit dir reden, lass dich ganz seh’n!“

Ein helles Lachen aus ihm klingt,

und er ist schon wieder weg. -

Schade, denn ihn von sich sprechen hören, wie das klingt,

und ihn einmal wirklich richtig seh’n, ganz keck,

dass hab ich so gern gewollt. -

doch winkend ist er in einem Blatt – davon gerollt.

ganz leise, halt, halt! –

Ist er nicht in dem Blatt wieder, was da liegt, dort?

Doch nein, er ist fort. –

Vielleicht war das alles gar nicht wahr?

Hm, bestimmt war es nur ein Traum, was ich da sah. –

Doch ist es wahr? So hält es bestimmt einmal an

und lädt mich zärtlich ein –

wenn er das wirklich will - und dann;

oh ja, auch ein Wirbelwind zu sein.

 *

 Was war das nur?

 …Dann hab ich dein Auto gehört,

und bin staunend aufgewacht. -

Oh, hab ich über mich gelacht,

denn ich wollte sofort nachschau’n.

Doch es war nur ein Traum.

 So weit ist es also schon!

Vor Sehnsucht, träum ich von dir.

Jetzt stehe ich auf dem Balkon und wünsche mir,

du stehst vor der Tür. -

 

Doch, nur warm weht der Wind,

streichelt statt deiner mein Haar.

Stund um Stunde verrinnt. -

Was war das nur, was da geschah?

 

Der Wind streichelt auch die Gedanken glatt.

Sie fallen wie ein altes, trocknes Blatt.

Was gab es da, in die Ferne zu schauen,

und auf Vorstellungen ein Haus zu bauen?

War es nicht so, wie auf Sand gebaut,

hm, es ist die Einladung, dass es dem Leben vertraut.

*

Abschied

 Der Zug fuhr in Richtung – „mein neues“ Zuhaus.

Mir liefen Tränen übers Gesicht.

Was war, blieb zurück, war vorbei – aus.

Doch fiel davon noch so manches ins Gewicht.

Auch ein wohliges Gefühl und ein Staunen war geblieben,

über alles, auch wenn ich so vieles nicht verstand.

So konnte ich nur sagen: Lebewohl - ihr Lieben,

mit einer winkenden Hand.

 

Und schon dachte ich zurück an die schönen Wälder

in denen ich so gerne spielte und sang.

Oh ja, ich fühlte mich dort sagenhaft frei –

Wo ich im Bach von Stein zu Stein sprang.

Ja, es war herrlich, doch es ist vorbei,

wo ich in den blühenden Wiesen lag,

die Hände hinter dem Kopf verschränkte,

an einem sonnigen warmen Tag;

wo in der unendliche Weite und Stille,

hoch oben in den Lüften – dieser Fülle,

die Lärche mir ihr Lied - schenkte…

 

Hm, Dankbarkeit und Trauer, welch ein Gemisch…

den Schmerz der Enttäuschung fegte ich vorerst vom Tisch.

Das Leben war für mich wieder offen, und so neu.

Oh ja, gewiss, dem Neuen gegenüber war ich auch scheu.

Doch da war die Erinnerung an ein Lied,

das ich als Kind so geliebt,

und das da sagte, nimm mich mit…

So nimm denn meine Hände und führe mich,

bis an mein selig Ende und ewiglich.

Ich kann allein nicht gehen, nicht einen Schritt,

wo du wirst geh’n und stehen, da nimm mich mit.

 *

Die Entdeckung durch Ergebenheit in vielen sanften Massagen, die ich bekam…Und letztendlich die Erfahrung, dass „meine Hände“ der lange „verbotene Geliebte“ - „meines“ Körper waren.

 Und hier, die Berührungen von den vielen sanften Massagen in ein Gedicht zusammengefasst, als ein Dankeschön:

 Was ist geschehen, rings um mich?

Alles so einfach, alles voll Licht.

Es ist grad wie der offene Himmel.

Wo hat es mich hingebracht?

Gefühle, oh, so ein Gewimmel.

Es in mir weint und lacht.

 

Es ist sich in dem ergeben.

Es scheint wie ein ganz neues Leben.

Es ist verwirrend und doch so neu.

Ich bin wie ein Kind, auch scheu.

Denn einordnen kann ich es nicht.

Ja, was ist da noch alles in Sicht?

 

Bin wie die Erde, die die Sonne verbrannt.

Alles in mir nach Regen, nach Berührung schreit.

Bin einladend und zum Erblühen bereit.

Und was wird da noch erkannt?

Es ist wie ein Kochen von Lava.

Da ist etwas, was schon immer war - da.

 

Auch wenn die Hände nicht schüren,

nur sanft die aufgerissene Erde berühren,

sprudelt es wie Wasser aus ihr, ganz klar.

Eine Quelle, die alles verwandelt ringsumher,

die da fließt – bis ins offene Meer.

 

Es grünt, es lacht, es weint und singt,

wo der Druck, der Hände behutsam einsinkt.

Es blüht und duftet um den Quell, um den Fluss,

und der Wind dieser Hände ist wie ein ewiger Kuss.

*

 Ich darf mich selbst lieben.

 Auf Liebesentzug zu leben

taucht mich ein, mein Körper in Verlangen.

Ich kann kaum denken – nur wirr reden,

Diese starken Gefühle halten mich gefangen.

 

Wieso ist es so wichtig,

Nähe – Menschennähe - zu spür’n?

Im Kopf bin ich wohl nicht richtig?

Ich glaub ich hab kein Hirn.

 

In mir will alles Liebe!

Wär’ ich ein Säugling, würd’ ich schrein!

Was sind das nur für Triebe –

die lassen mich so sein?

 

Ich gier schon nach einen Händedruck,

um ja eine Verbundenheit zu fühlen.

Und dann, ich vor Verlegenheit schluck.

Man! Wie kann ich mich abkühlen?

 

Wie sehn ich mich nach streichelnden Händen!

Wie sehn ich mich nach einem Kuss?

Wie sehn ich mich nach starken Lenden?

Wie ein Süchtiger nach einem – Schuss!

 

Nach einem Liebesspiel ganz warm und kühl,

ein ineinander vergehe’n…

Nach einem lustvollem Wonnegefühl,

nach einem Aufstöhnen - wie schön.

 

Doch ich liege nun allein –

und streichle über meine Brust,

sanft, zärtlich bis hin zum Bein…

Ich bäume mich auf vor Lust.

 

Mein Körper erzittert bei jeder Berührung,

voll Staunen, auch wenn es meine Hände sind.

Juhu! Das ist ja schon die reinste Verführung.

Ein zartes Liebesspiel mit mir beginnt.

 

Ein Liebesspiel mit mir allein –

Voll Zittern und voll Beben,

Wow! Voll Wonne kann so etwa sein –

mir selber Zärtlichkeit zu geben.

 

Langsam ganz zart und weich

streicheln meine Hände - mich.

Ich fühle mich glücklich und reich –

Denn ich darf mich selbst lieben – und auch dich!

 *

 

 

 

 

 

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