Hass

pixelio              Bild, Rainer Sturm

Hass...

"Vanessa, mir macht - so viel Hass - auf der Welt Angst! Ich wünsche mir, dass es mehr Liebe gibt!"

Oh, wollen wir das nicht alle? Die Verzweiflung, die in dem Gesagten steckt, ist spürbar. -

Doch zum Einen ist das Leben stehst ausgewogen, auch wenn das nicht so scheint. Zum Anderen ist da ein Missverständnis, denn auch Hass ist ein Ausdruck der Liebe, der unpersönlichen, bedingungslosen Liebe. - Hinzu kommt, dass das Leben sich selbst durch „Alles“ spielt; somit auch durch Hass. -

Also, da ist niemand, der je eine Wahl hat. Ja – auch wenn es in dem Lebensspiel so aussieht, als geschähe es Jemandem, als würde es dir oder mir geschähen, als würdest du oder ich etwas tun. - Auch wenn es in dem Theater so erscheint, als gäbe es Täter und Opfer. - Das Lebensspiel ist so perfekt gespielt, allein schon durch unsere Sprache, die nicht nur dualistisch ist, sondern auch wie eine Hypnose. - Und das passt in keine Vorstellung, wie das Leben sein sollte – doch wenn es anders sein sollte, wäre es anders. - Himmel! Kein Ich will das Leben - so wie es ist - . Hm? - Ist dir das nicht auch schon aufgefallen? -

Schmunzeln. - Doch nichts, absolut nichts ist verkehrt, alles ist göttlich; denn alles, was erscheint, kann nicht anders, als -erscheinen-! - Also auch dieses verzweifelte Ablehnen, oder dieser Wunsch nach mehr Liebe. -

Ha, der Witz, wie kann Hass getrennt sein von der Einheit? -unmöglich-! Es gibt nur Einheit, das Eine, das als Zwei, also als Traum -erscheint- ; - Nichts und Alles ist das Eine. - Doch, wer will schon Hass? - Jeder will Liebe - oder sucht nach Liebe, aber doch nicht nach Hass – klar. -

Und dennoch -erscheint- Hass in dem Traum, in dem göttlichen Lebensspiel – wie es hier gesehen wird, als - der Geliebte; und das ist unglaublich! - Was? Hass soll der Geliebte sein? - Ja – wenn die Energie-Hass da sein darf. Wenn die Bereitschaft da ist, die Energie zu spüren, sie da sein zu lassen - nur zugeschaut wird, verwandelt sich die Energie - in Frieden, in Liebe. -  Ich hätte das auch nicht gedacht, wenn das nicht geschähen wäre: -  

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Es geschah, als Vanessa noch glaubte, ein Jemand zu sein. - "Ich" fühlte mich dem Hass, der hin und wieder aufstieg, auf was auch immer, so machtlos ausgeliefert. Gleichzeitig schämte ich mich danach dessen sehr, und war ratlos. - Bewusst wurde mir der Hass erst durch das Verhalten meiner besten Freundin. - Was für ein Geschenk - paradoxerweise ! - Wir hatten uns bei ihr verabredet, doch als ich nach einer Stunde Bahnfahrt bei ihr vor der Tür stand, hing da ein Zettel an der Tür: "Ich lebe im Hier und Jetzt - und jetzt bin ich wo anders - es soll wohl so sein." Erst fühlte ich mich nur versetzt und ärgerlich, dann nannte ich sie - ein arrogantes, spirituelles Arschloch! - Und darin war schon so etwas wie Wut. Nachdem sich Ähnliches wiederholte, wurde plötzlich in mir die Wut eiskalt, also das, was man wohl Hass nennt. - Man! - Dieses Gefühl wollte "ich" aber nun doch nicht! "Ich" wollte es wieder los werden! - Nur wie? Und so stieg das innigliche Flehen auf, eine Bitte an das Leben. -

Und Wow! - Was für ein Staunen, dass... als nichts, wirklich nichts mit diesem Gefühl >gemacht< wurde und es einfach da sein konnte, dass das Gefühl sich in Liebe verwandelte; nicht zu fassen! - Es war wie ein Wunder -  und eine Freude voller Dankbarkeit stieg auf, das sehen, erkennen - zu dürfen. - 

Und nun die Geschichte dazu, wie das geschah:

Für kurze Zeit arbeitete ich in einem schnuckeligen Blumenladen.
Die Ladenbesitzerin mochte mich, und ich sie auch. An dieser Arbeit hatte ich sehr viel Freude. Und ich war bereit noch viel von ihr zu lernen, denn meine Hände waren schon immer sehr geschickt, Blumengestecke herzurichten, obwohl ich darin keine Ausbildung hatte. -

An dem Tag stand ich im Laden mit einer Kundin, die mir Stück für Stück die Blumen reichte. Und ich hatte das Gefühl, nicht ich, sondern eine stille Freude bei mir und eine stille Freude bei der Kundin - diese Freude - band daraus einen Blumenstrauß. -

Plötzlich stand meine Chefin vor mir, - riss mir brutal den Blumenstrauß aus der Hand mit den Worten: „So geht das nicht! - Und damit das klar ist, schließlich habe ich drei Jahre gebraucht um das zu lernen!“ - Das war wie ein <Herausreißen> aus diesem inniglichen Miteinander, und wie ein in die Enge getriebener Tiefschlag, mit einem „eiskalten“, brutalen Stopp!  -

Ich sah die weit aufgerissenen Augen der Kundin, die wie erstarrt dastand, nur noch schemenhaft. - Sah: in meinem Körper schien das Blut zu gefrieren und das Gefühl einer blanken, eiskalten Energie (Ich konnte das erst später als Hass erkennen, und benennen.) im Bauch, es war zu spüren, wie eine große eiskalte Faust, die sich in eine blanke, stählerne Scheibe zu verwandeln schien...

Da war absolute Machtlosigkeit – ein Ausgeliefert-Sein. - Der Kopf war leer. - Auch schien ringsum Leere zu sein, und weiter weg, wie am Rande, alles andere. - Es geschah eine absolute Ergebenheit, und einfach nur ein Spüren und Zuschauen. Staunend war zu spüren - wie sich diese eiskalte Scheibe begann - zu drehen; es war, wie ein Reiben, das im Drehen Wärme erzeugte, und das ein Auflösen der eiskalten Scheibe zur Folge hatte. Die Wärme strömte nach oben, und als sie das Herz erreicht hatte, verwandelte sich dieser blanke, eiskalte Hass in warme alles umfassende Liebe, die - die Leere erfüllte. - Das Köpfchen hatte keine Macht einzugreifen. Da war nur Staunen. - Mein Körper wurde wieder warm durchströmt. Und ich stand da, wie ein unschuldiges Kind, staunend, und in Liebe. -

Dann war da ein warmer Blick von der Kundin, die Ladentür ging auf, und WOW - die kleine Tochter (von vier Jahren) einer Bekannten legte Vanessa eine winzige Schmuckschildkröte in die Hand - darauf klingelte das Telefon, das ihr ihre Chefin reichte, und meine beste Freundin sagte: "Ich musste dich jetzt anrufen! Und wenn du magst, gebe ich dir heute noch eine Massage..."

O ja, es erschien mir wie ein Segen. Staunend wurde das, was mir gereicht wurde entgegen genommen. - 

Und da war ein Sehen: "Ich" war und bin wirklich stets absolut Machtlos all den Gefühlen gegen über, die bei "mir" erscheinen! Sie gehören "mir" nicht einmal! Das ist unfassbar! - Doch sie erscheinen bei mir und möchten einfach da sein. Das scheint ihr Anliegen an mich zu sein, und somit auch meine Angelegenheit  – sie da sein zu lassen - ohne etwas zu tun, oder tun zu müssen. - Denn eindeutig war für mich zu sehen, dass das ohne mein Zutun geschah! – Und mein Kopf sich in dem Moment nicht einmischte. -

Tja, nun, im klarem Sehen - ist da niemand; es ist Sein, das als Wut-Sein, Hass-Sein, Angst-Sein, Abwehr-Sein, Trauer-Sein -erscheint-, so wie all die so unbeliebten Gefühle; - sie scheinen mit einer Geschichte einher zu kommen, die wie eine Ummantlung ist - Sein spielt Ummantlung – und mitten drin die Energie, die ich gern den Geliebten nenne.. - Es gibt nur Sein. - Es gibt nichts zu vermeiden, zu verhindern, denn das ist auch Sein, das verhindert-Sein spielt usw. Alles was geschieht muss geschehen. Es gibt keinen Täter, also auch ein Opfer. - verstehen kann und muss der Verstand das nicht... doch da ist Staunen...über das Wunder des Lebens, das sich selbst in der Lebendigkeit des Lebens spielt. –   

 


Wieso der Geliebte        Wut
 

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