Das Mißverständnis von Liebe

Das Missverständnis von Liebe                          April 2011


Wenn du lesen magst?.. Es würde mich freuen (ohne eine Erwartung, wie es bei dir ankommt).

Kürzlich griffen diese Hände wieder zu einem Brief von einem alten Geliebten und Freund, in dem stand:

Liebe Vanessa,

ich freue mich mit dir, dass du in deinem Leben Entscheidendes erkennen durftest. - Ich bin auch auf dem Weg zum großen Frieden!
Frieden mit mir, mit der Welt und Frieden mit meinem Schöpfer!

Heinz Kappes (der Mitbegründer von AA, der Anonymen Alkoholiker in Deutschland) hat gesagt, als ich mich bei ihm beklagte, zu wenig oder nicht geliebt zu werden:

                                   „Sei  du  Liebe!“

Darum ist meine Lebensaufgabe – zu lieben - und selbstlos zu lieben.
Ich komme aus der Liebe und ich gehe zur Liebe,
zur alleinzigen Liebe!

Es gäbe noch viel zu sagen! Der Mund sagt’s!
Das Herz weis es!
Doch wie siehst du das?

Gute 24 Stunden – Dein AA Freund, Alex.

                                                     °

Und nun die Antwort - Stück für Stück, an dich, Alex… und im wieder und wieder Hinschauen auch  an „mich“:


Hey, hallo Süßer, hallo, geliebter Freund,

danke für deinen Brief, und die Darstellung „deiner“ Sichtweise.

Hmm…? In ihm ist für mich eine unbeschreibliche Süße, auch etwas ganz Zartes und - Bitteres.
Süß und zart, denn „ich“ nehme da eine große Sehnsucht zu lieben und geliebt zu werden, wahr.
Bitter, denn zugleich kommt bei mir eine scheinbare Trennung von der Liebe an.

Wie kommt es zu dieser scheinbaren Trennung? Wenn „ich“ beim Lesen in Gedanken mitging, stieg sofort ein Wunsch auf, der ins scheinbare Außen gerichtet war: ein Wunsch, der in Sehnsucht ging. Und der Glaube stieg auf, es fehle etwas.

Hmmm…? Dann schreibst du: scheinbar konnte oder durfte Entscheidendes in „meinem“ Leben erkannt werden. Nur der Ausdruck „Entscheidendes“ klingt in „meinen“ Ohren nach etwas besonderem. In Wirklichkeit fiel einfach alles weg.

Und hier ist ein Lachen. Denn der Glaube und die Überzeugung, dass das, was ich bin, eine Person, ein Jemand ist, und somit auch „mein“ Leben –
sind einfach in Liebe ertrunken.

Hmmm…? Und nun zu diesem Satz: Sei „du“ Liebe.

Sei…Liebe, klingt so, als wenn Liebe gerade nicht sei…und dass „Du“ es sein solltest… Doch Liebe sein heißt für mich, einfach lieben, ohne das „Du“ darin.
Und, ganz ehrlich? Kann denn ein „Ich“ lieben und die unendliche, bedingungslose, unpersönliche Liebe sein?
 
Ist das „Ich“ nicht nur ein „Ich- Gedanke“, der in ihr kommt und geht?

Liebe ist ewig, sie wird nicht, sie ist nie verloren gegangen, sie ist das Eine, das als Vieles, als Fülle erscheint,
oder in „deinen“ Worten: die alleinzige Liebe.

Sie ist bereits, und DAS, was „du“ in Wahrheit bist.

Es ist Liebe, die schreibt, Liebe, die liest…Liebe, die in unendlichen Verkleidungen erscheint…Liebe, die Suchen nach der Liebe spielt, und dabei ist sie gedanklich nicht zu fassen, nicht zu  begreifen, nicht zu wissen…trotz der vielen Vorstellungen und Bedingungen im Köpfchen, von Liebe.

Und will das verstanden werden, so landet das Köpfchen auch hier immer wieder – im Nichtwissen! – Und im Nichtwissen gibt es keinen Weg irgendwohin; ja, in dem Moment hat der verzweifelte Kampf, alles wissen und verstehen zu müssen, aufgehört… und da war  Frieden mit Allem. 
 
Und darin ist es so einfach, so klar, zu sehen, dass genau dieses Nichtwissen meine und deine Natur ist…und da ist dann Staunen und einfach sein in unendlicher Geduld von Liebe.

Lieben ist keine Aufgabe.
                                            
Im klaren Sehen, dass Liebe bereits ist - auch jetzt, während du diese Zeilen hier liest - ist das Leben ein spielender Tanz, ein Feiern - von Nichts und Allem, von niemandem.

Einfach lieben ist wie ein Wunder und doch so natürlich,
von unendlicher Geduld getragen. Es ist wie der klare, sonnendurchflutete Himmel zwischen scheinbar zwei Liebenden.

 

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